Diese Zahlen lassen sich anhand der Rohdaten der Statistik Austria auch entsprechend nachvollziehen. Dennoch ist die Darstellung verkürzt und unter Umständen irreführend. Wenn medial über Inflation berichtet wird, ist in der Regel von der Preisänderung im Vergleich zum Vorjahr die Rede. Bei den genannten Daten handelt es sich also nicht um die Teuerung im Dezember, sondern um die im Dezember gemessene Teuerung der letzten 12 Monate (relativ zum Dezember des Vorjahres).
Die Teuerung im Dezember im Vergleich zum Vormonat November ergibt eine andere Rate, wie auch im Artikel erwähnt wird: „Gegenüber dem Vormonat stieg das Preisniveau voraussichtlich um 0,2 Prozent, so die heimischen Statistiker.“ Vergleicht man diese Zahl mit den vergangenen Monaten, hätten alternative Headlines auch lauten können:
- Inflation im Dezember um 75% niedriger als der Durchschnitt seit Jahresbeginn
- Inflation im Dezember um 62% niedriger als im Dezember 2021
- Inflation im Dezember um 48% niedriger als der Durchschnitt im Dezember seit 2012
Man sieht - zwischen der eingangs zitierten eher verhalten positiven Headline und einer dramatischen Änderung zum Einbruch der Inflation besteht eine ziemliche Bandbreite – unter Verwendung der genau gleichen Datenlage.
Wie ist dies einzuordnen und was können Konsumenten und Investoren daraus mitnehmen? Eine gute Gelegenheit, sich die Entwicklung der Inflation etwas näher anzusehen und den Grund, aber auch Nachteil der jährlichen Messung zu verstehen.
Die monatliche Inflation schwankt stark und es gibt ein saisonales Muster
Betrachtet man den Verbraucherpreisindex VPI 2010 seit 2012, zeigt sich ein Muster bei den monatlichen Inflationsraten. Negative Inflation am Jahresbeginn, höchste Teuerung im März und dann wieder ein Anstieg bis zum Jahresende. Der Dezember gehört historisch zu den drei Monaten mit der höchsten Teuerung.
Nimmt man die Covid Jahre seit 2020 aus der Berechnung, dann verschwindet auch der Ausreißer nach unten im Mai, der nach Ausbruch der Pandemie zu einer massiv negativen Inflation geführt hat und das saisonale Muster tritt noch viel deutlicher in Erscheinung.
Aufgrund der großen Schwankung ist jedenfalls eine rein monatliche Betrachtung problematisch.
Auch die jährliche Betrachtung ist nicht frei von Problemen
Nehmen wir beispielsweise an, dass die Verbraucherpreise 0,17 % pro Monat steigen (entspricht in etwa dem langfristigen jährlichen Inflationsziel von 2 %), und in nur in einem Monat die Teuerung 10 % beträgt.
An diesem fiktiven Beispiel über 36 Monate kann man nun die Unterschiede zwischen monatlicher und jährlicher Messung illustrieren. Bei der jährlichen Messung der Inflation sieht man eine „Teuerung“ über ein ganzes Jahr hinweg – die jährliche Teuerung hängt ja vom Preis-Niveau von zwei unterschiedlichen Monaten ab: dem aktuellen Monat und dem Vorjahresmonat. Die Inflation ändert sich, weil es in den letzten 12 Monaten einen Preissprung gab. Eine einzige impulsartige Erhöhung weist somit eine Erhöhung über ein ganzes Jahr hinweg aus.
Daher ist die Unterscheidung zwischen der Teuerung im Dezember und der im Dezember gemessenen Teuerung nicht nur eine Spitzfindigkeit, sondern absolut zentral beim Interpretieren.
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht
Die gute: Im Gesamtbild mit der sehr niedrigen Dezember-Teuerung und den im Verlauf des Jahres unter anderem durch Energiepreise bedingten Ausreißern nach oben, bin ich deutlich positiver gestimmt, als uns die oben zitierte Headline vermutlich suggerieren möchte.
Die schlechte Nachricht allerdings ist, dass wir kaum davon ausgehen können, dass die Zinsen für Anleger über die Inflation steigen werden und eine Inflation von nur 3 % nach 25 Jahren auch die halbe Kaufkraft eliminiert. An Aktien führt also nach wie vor kein Weg vorbei.
Tabellen für Berechnungen
Quellen:
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